Afterwork-Meeting: Goldgrube Mitarbeitermotivation

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er Gallup Engagement Index 2012 belegt es zweifelsfrei: Immer mehr Mitarbeiter befinden sich in einem Zustand innerer Kündigung. Ohne jegliche emotionale Bindung zum Arbeitgeber bringen sie gegenüber Vorgesetzten seltener Ideen oder Verbesserungsvorschläge ein, fehlen öfter am Arbeitsplatz, fühlen sich häufiger ausgebrannt und empfehlen ihren Arbeitgeber kaum weiter. Im Afterwork-Meeting „Jenseits von Zuckerbrot und Peitsche: Was Mitarbeiter wirklich antreibt“ erörterte Experte Carsten Gellrich in der husare akademie, welche Leitwerte die Interne Kommunikation zu einem echten Motivations- und Erfolgsfaktor machen. Besonders seine Empfehlung „Leistungsdruck durch Transparenz“ inspirierte das über 80-köpfige Publikum zu einem angeregten Erfahrungs- und Meinungsaustausch.

Employer Branding statt “Zuckerbrot und Peitsche“

Zuckerbrot und Peitsche treiben die Mehrzahl der Beschäftigten heutzutage definitiv nicht mehr zu Höchstleistungen an. In einer Zeit von akutem Fachkräftemangel und geringerer Scheu vor arbeitsplatzbezogenen Umzügen entscheiden sich die Deutschen für solche Arbeitgeber, die sich etwa um ihre Gesundheit, die Familienplanung und andere Faktoren der Lebensqualität sorgen. Entsprechend haben Employer-Branding-Maßnahmen wie Recruitment-Aktivitäten auch im Mittelstand Hochkonjunktur. Doch zwischen Außendarstellung und tatsächlicher Umsetzung klafft vielfach noch eine große Lücke. Insbesondere jene Arbeitnehmer ohne emotionale Bindung kritisieren, dass in ihrem Arbeitsumfeld unkonventionelle Ideen, das Lernen aus Fehlern, kontroverse Meinungen sowie die Ermunterung zu Eigeninitiative nicht willkommen sind. Sie wünschen sich seitens ihrer Vorgesetzten mehr Wertschätzung, Vertrauen sowie Erreichbarkeit und bedauern die seltene Umsetzung ihrer Verbesserungsvorschläge. Eine Schätzung des Gallup-Instituts beziffert die volkswirtschaftlichen Kosten aufgrund innerer Kündigung auf bis zu 138 Milliarden Euro jährlich. Eine große Summe, die sich mit einer motivierenden und wertschätzenden Internen Kommunikation deutlich reduzieren ließe. Das enorme Potenzial der „Goldgrube Mitarbeitermotivation“ wird immer noch von vielen Unternehmen unterschätzt!

Schnittstelle von Personalentwicklung und Kommunikation

Referent Carsten Gellrich versteht sich selbst als „Katalysator für Entwicklung“. Seit 2002 berät er mit seiner Firma decage + Unternehmen vor allem in Fragen des Mitarbeitermanagements, der strategischen Organisationsentwicklung und des unternehmerischen Veränderungsmanagements. Seine Zuhörer in der husare akademie waren sowohl Marketing- und Kommunikations-Fachleute als auch Führungskräfte aus Vertrieb und Personalentwicklung. Schließlich braucht eine gelingende Mitarbeitermotivation neben der zielgruppengerechten Konzeption interner Kommunikationsmittel auch eine adäquate strukturelle und operative Umsetzung durch die jeweilige Abteilung. Um es mit den Worten Carsten Gellrichs zu sagen: Mitarbeiterführung heißt nicht weniger als „Menschen einschätzen, verstehen, bewegen, verändern – und vor allem: Mensch sein!“ Um diesen hohen Ansprüchen gerecht werden zu können, müssen Interne Kommunikation und Personalmanagement Hand in Hand arbeiten.

Mehr Arbeitnehmer ohne emotionale Arbeitgeberbindung

In den Augen des Redners gibt es zwei ideale Arbeitnehmer. Einerseits den intrinsisch Motivierten, der seine Berufung auslebt und ohne äußere Impulse engagiert arbeitet. Andererseits denjenigen, der sich mit seinen Aufgaben und Zielen hundertprozentig identifiziert und ebenfalls hoch motiviert ist. Aus Arbeitgebersicht unerwünscht sind „Drückeberger“, die Aufgaben nur auf konkrete Anweisung erledigen, Kollegen demotivieren und ständig angetrieben werden müssen. Der Anteil an Mitarbeitern ohne jegliche emotionale Arbeitgeberbindung wächst laut Gallup-Studie allerdings stetig – zwischen 2001 und 2012 von 15% auf 24%. Währenddessen stagnierte im gleichen Zeitraum der Anteil derer mit hoher emotionaler Verbundenheit bei 15% – zuletzt mit leichtem Zuwachs. Vor diesem Hintergrund betonte Carsten Gellrich die Bedeutsamkeit einer fruchtbaren Mitarbeiteransprache.

Emotionale Anreize erschaffen Mitarbeitermotivation

Der Personalexperte wies jedoch darauf hin, dass Motivation irrational sei – reine Gefühlssache. Da Engagement am Arbeitsplatz nicht durch äußere Einflüsse direkt steuerbar ist, müssen Führungskräfte vielmehr für eine produktive Kommunikationskultur sorgen. Grundsätzlich muss bei der Mitarbeiterführung darauf geachtet werden, dass heutige Arbeitnehmer die Befriedigung von physiologischen Grundbedürfnissen oder Fragen der Grundsicherung als selbstverständlich ansehen. Bei ihrer Arbeitgeberauswahl orientieren sie sich daran, inwieweit sie eine Erfüllung ihrer sozialen, individuellen und Selbstverwirklichungsbedürfnisse für möglich halten. Je besser ein Arbeitgeber diese individuell befriedigen kann, desto mehr motiviert er seine Beschäftigten. Nichtsdestotrotz gilt, dass eine schlechte Mitarbeiterkommunikation große Teile der Leistungsbereitschaft von Mitarbeitern untergraben kann. Mit einer vorteilhaften Kommunikation lassen sich die letzten Prozente an Leistungsfähigkeit aus ihnen herauskitzeln.

Gerechtigkeit und Vertrauen als Grundwerte

Als erste Basis für eine motivierende Mitarbeiterkommunikation nennt Carsten Gellrich ein faires und gerechtes Verhalten von Führungskräften. So könne beispielsweise die Ausstattung sämtlicher Führungskräfte mit hochwertigen Neuwagen bei gleichzeitiger Streichung des Weihnachtsgeldes für Unmut sorgen. Wenn Angestellte eine persönliche Vorteilsnahme oder eine unverhältnismäßige Bezahlung bei Vorgesetzten vermuten, entwickelt sich rasch ein Ungerechtigkeitsempfinden und die Gefahr von abnehmendem Einsatzwillen. Führungskräften empfiehlt es sich deshalb, Angestellten Anerkennung und Wertschätzung für ihre Arbeit zu vermitteln. Besonders ratsam ist es, ihnen das Gefühl zu verleihen, dass sie mit ihrem tagtäglichen Einsatz im Detail genauso zum Unternehmenserfolg beitragen wie die wichtigen Entscheider im Großen. Eine weitere wichtige Komponente besteht laut Referent in einem vertrauenschaffenden Umgang mit den Beschäftigten: „Für das Vertrauenskonto gilt das Gleiche wie für ein Bankkonto: Wer einen hohen Kontostand anstrebt, muss dafür sorgen, dass er mehr einzahlt als er entnimmt.“ übertragen auf Mitarbeiterführung rät er zu einem kontinuierlichen „Einzahlen“ auf das Vertrauenskonto der Belegschaft. Zum Beispiel beweist ein Vorgesetzter mit einer kleinen Aufmerksamkeit zum Geburtstag, dass ihm seine Angestellten keineswegs gleichgültig sind.

Gehirngerecht und sinnhaft führen

Das Übererfüllen von Erwartungen bei Mitarbeitern ist laut Carsten Gellrich eine weitere sinnvolle Strategie. Es stellen sich Überraschung, Dankbarkeit, Bindung und das Gefühl ein, etwas durch gute Arbeit zurückzahlen zu müssen. Dieses Prinzip mit finanziellen Belohnungen zu verfolgen, wird schnell durchschaubar und teuer. Auch in dieser Hinsicht bieten sich kleine, eher symbolhafte Aufmerksamkeiten an, die ein Interesse an dem Mitarbeiter als Persönlichkeit belegen. Genauso wichtig für eine gelingende Mitarbeitermotivation erscheint dem Referenten, dass Angestellte in ihren Aufgaben eine tiefere Sinnhaftigkeit erkennen. Sehen sie in ihrem Wirken einen sinnstiftenden, unverzichtbaren Beitrag zur Funktionstüchtigkeit von größeren Prozessen, werden sie automatisch zu weiteren Höchstleistungen angespornt.

Motivation beginnt bei der Motivierbarkeit

Zu guter Letzt kommt einem Recruiting- und Matching-Programm, das bereits auf die Einstellung von begeisterungsfähigen Menschen abzielt, eine elementare Bedeutung zu. Fachliche Defizite sind deutlich schneller korrigierbar als eine chronische Unmotivierbarkeit. Diese ist größtenteils genetisch veranlagt und kann in Bewerbungsgesprächen oder -tests zumindest ansatzweise hinterfragt werden.

Stimmen von der Veranstaltung

Fazit & Empfehlungen:

  1. Kooperation von Personalentwicklung und Kommunikation ist unabdingbar.
  2. Mitarbeitermotivation braucht Emotionen, Zeit und Einfühlungsvermögen.
  3. Gerechtigkeit, Vertrauen, Transparenz und Sinnhaftigkeit sind kommunikative Leitwerte.
  4. Mitarbeitermotivation beginnt bereits beim Recruiting und Matching.

Das Thema ist auch für Ihr Unternehmen interessant? Gerne stellen wir Ihnen vor, wie Sie Ihre Interne Kommunikation für die Zukunft unschlagbar aufstellen. Kontaktieren Sie Andrea Schlüter per Telefon unter +49 2572-9363-20 oder per Mail unter a.schlueter@husare.de