Der Arbeitnehmer als Recruiter – Die Kraft der persönlichen Empfehlungen

Manch ein Personaler spricht bereits über den Untergang der eigenen Gattung, andere über die Evolution zum Recruiter 2.0. Sicher kann man aber vermutlich nur sagen, dass sich die Welt der Personaler durch den Aufstieg der Social Employees grundlegend ändert. In der digitalen Welt, in der Informationen nur einen Klick entfernt liegen und Bewertungsplattformen wie Pilze aus dem Boden schießen, ist es für Unternehmen unumgänglich, sich als positiver Arbeitgeber darzustellen und wer könnte diese Aufgabe besser ausfüllen als Arbeitnehmer selbst? Denn kein Geschäftsführer, CEO oder Personaler kann so authentisch über das Unternehmen berichten wie die Arbeitnehmer.

Aber was ist, wenn die Mitarbeiter über den eigenen Imagefilm sagen: „ Da würde ich auch gerne mal arbeiten“?
Durch gestellte Interviews, einstudierte Phrasen und übertrieben Kamerafahrten wirken Recruiting Videos oft unauthentisch. Schnell erzeugen Recruiting Videos so sogar einen negativen Eindruck.

Trotz kreativ produzierten Image- und Recruiting-Videos  werden persönliche Empfehlungen zumeist vom neu definierten Typus des Social Employee gestreut. Der Social Employee möchte sich selbst und sein Unternehmen als Marke gut darstellen. Dies führt zu einer authentischen Darstellung des Unternehmens und somit zur passiven Markenbildung des Unternehmens als Arbeitgebermarke. So müssen Unternehmen nicht zwanghaft nur selbst rekrutieren.

Die Vorteile sind eindeutig, die Umsetzung scheint allerdings schwerer als erwartet.

Wie werden aus Mitarbeitern Social Employees und was bewegt sie dazu, positiv über ihren Arbeitsplatz zu berichten?

Die Gründe hierfür sind so unterschiedlich und vielschichtig wie die diversen Stellenbeschreibungen in einem Unternehmen. Dennoch ist es für Unternehmen essenziell wichtig, Gründe zu finden, die Arbeitnehmer nicht nur zufrieden stellen, sondern die diese auch bewegt, ihre Zufriedenheit nach Außen zu kommunizieren. Diese können traditionellen Ursprungs sein wie zum Beispiel ein gutes Arbeitsklima, Gehalt oder ein sicherer Arbeitsplatz (Vergleich Blogeintrag: Arbeitnehmerumfrage: Betriebsklima und soft facts machen Arbeitgeber besonders attraktiv), aber auch geänderte Wertvorstellungen und Wünsche seitens der Arbeitnehmer. Bezieht man sich aber im Speziellen auf die viel beschriebene Generation Y,  aufgewachsen im digitalen Zeitalter und bestens vertraut mit den Social Media Kanälen, wird schnell deutlich, dass sich die neue Generation von Arbeitnehmern neue Wertversprechen wünscht. Oft genannte Werte sind hier zum Beispiel Selbstverwirklichung, Entscheidungsfreiheit, Mitspracherecht oder Flexibilität. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Personaler Rahmenbedingungen ermöglichen, die eine positive Unternehmenskultur schaffen und Potentiale freisetzen.

Personaler müssen also individuelle Werte, Bedürfnisse und Normen der Mitarbeiter stärker berücksichtigen, um eine emotionale Bindung zum Unternehmen herzustellen. Orientieren sich Unternehmen also daran, was Arbeitnehmer wollen, ist die Chance für eine emotionale Bindung zum Unternehmen gewährleistet und diese führt meist zwangsläufig zu einer positiven Außendarstellung des Unternehmens als Arbeitgebermarke seitens des Arbeitnehmers.

Der Social Employee kann daher entscheidend dazu beitragen, Arbeitgebermarken effektiv zu kommunizieren. Hierbei muss allerdings bedacht werden, dass der Social Employee vom Unternehmen berechtigt sein muss, voranzugehen, um andere mitzuziehen. Ist seine Zufriedenheit sichergestellt, wird er als integrer Fachexperte wahrgenommen, der neben seinem eigenen „Personal Brand“ auch das Unternehmen als Marke stärkt.

Was bedeutet der „Social Employee“ für das Gesamtunternehmen?

Der Social Employee teilt als aktiver Markenbotschafter Inhalte des Unternehmens. Teilen mehrere Mitarbeiter gleichzeitig, wird hierdurch eine weitaus größere Reichweite erzielt als durch andere Markenkanäle. Dass Reichweite und geteilte Inhalte aber nicht nur positiv für die Marke sein können, zeigen unzählige Negativbeispiele. Um Gefahren der Social Media Nutzung vorzubeugen, empfiehlt es sich daher Guidelines zu installieren. Jedem Mitarbeiter muss bewusst sein, welche Unternehmensinhalte geteilt werden dürfen und wie diese Online kommuniziert werden. Gegebenenfalls müssen zudem Social Media-Führerscheine für Führungskräfte angeboten werden. Es gilt also nicht nur die Mitarbeiter aufzuklären, sondern auch Führungskräfte fit zu machen, um den Social Employee zu verstehen.

Es lässt sich dennoch sagen: Egal welche Gründe Arbeitnehmer beflügeln, als Markenbotschafter zu fungieren, die Rolle des Personalers wird weiterhin bestehen bleiben. Personaler müssen allerdings berücksichtigen, dass Sie sich auf die Digitale Revolution einlassen und selbst die Rolle des Social Employees einnehmen.  Dennoch erreichen Social Media Kanäle nicht immer alle Zielgruppen. Zum Beispiel passive Kandidaten aus Engpassgruppen, die nicht aktiv nach neuen Stellen suchen. Es bleibt also weiterhin eine große Spielwiese und viel Arbeit für Recruiter, Personaler und Headhunter.

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